Friedrichshafen, 19
August
2009
Die Vermarktung des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X verzeichnet einen weiteren Erfolg: die europäische Weltraumorganisation ESA und die Infoterra GmbH vereinbarten jetzt einen Rahmenvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Millionen Euro. Dieser umfasst die Bereitstellung von TerraSAR-X-Daten im Wert von 2,2 Millionen Euro sowie die Einrichtung eines direkten Zugangs zum Bestellsystem, noch einmal 200.000 Euro wert. Dr. Volker Liebig, Leiter des Bereiches Erdbeobachtung der ESA, und Jörg Herrmann, Geschäftsführer der Infoterra GmbH, unterzeichneten jetzt die entsprechende Vereinbarung. Die Astrium-Tochtergesellschaft Infoterra hält exklusiv die Rechte für die kommerzielle Vermarktung der TerraSAR-X-Daten und –Dienste.
Bis September 2010 können Dienstleister, die im Rahmen der GMES-Initiative (Global Monitoring for Environment and Security – Weltweite Beobachtungen für Umwelt und Sicherheit) der Europäischen Kommission (EC) und der ESA an Projekten arbeiten, Daten aus diesem Kontingent bei der ESA abrufen. Diese Anfragen wird die ESA schon bald ohne Umwege bedienen können: Infoterra wird in den nächsten Monaten Änderungen am TerraSAR-X-Bodensegment vornehmen, die der ESA zeitnah einen direkten Zugriff auf das Bestellsystem ermöglichen werden.
TerraSAR-X, nunmehr eine so genannte "GMES Contributing Mission" (zu GMES beitragende Mission), wird insbesondere für die Bereiche Sicherheit und Katastrophenschutz, Umweltüberwachung sowie die Erfassung der Landnutzungs-situation und ihrer Veränderungen essentielle Daten liefern – sowohl innerhalb Europas als auch außerhalb seiner Grenzen. Die einzigartige Zuverlässigkeit und hohe Genauigkeit machen TerraSAR-X zu einem bedeutenden Element des Multi-Missions-Konzeptes der ESA.
In der ersten Phase des "GMES Space Component Data Access (GSC-DA)"-Programms, welches den Zugang zu Satellitendaten innerhalb von GMES sicherstellt, investiert die EC durch die ESA insgesamt 45 Mio Euro. Daten von vierzehn kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten werden für die Anbieter von fünf GMES-Geoinformationsdiensten – drei "GMES Fast Track Services" (geoland2, SAFER und MyOcean) und zwei Pilotprojekte (GMOSAIC und MACC-Monitoring Atmospheric Composition and Climate) – sowie für das Projekt Urban Atlas, gesponsert von der europäischen Generaldirektion Regionalpolitik, bereitgestellt.
In einem zweiten Schritt soll ein zentrales Bestellsystem eingerichtet werden, mit dem die ESA-Experten direkt die Aufnahmekapazitäten aller angeschlossenen zivilen Erdbeobachtungsmissionen abrufen und darauf zugreifen können. In dieser zweiten Phase, die 2010 beginnen wird, rechnet Infoterra nicht nur mit einer Verlängerung der Datenlieferungsvereinbarung, sondern auch mit der Beauftragung grundlegender technischer Arbeiten zur Erstellung der notwendigen Schnittstellen zwischen dem Bestellsystem im TerraSAR-X Bodensegment und dem geplanten übergreifenden ESA-System.
Die Friedrichshafener Infoterra GmbH ist Alleininhaber der kommerziellen Nutzungsrechte am deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X, der am 15. Juni 2007 gestartet wurde. Sie liefert so wetterunabhängig hochauflösende Radardaten einer neuartigen Qualität und ist zudem in der Lage, ihren Kunden einen verlässlichen Direktzugang zu TerraSAR-X Daten zu ermöglichen.
Das Unternehmen erzeugt zuverlässig und zeitnah vielfältige Geoinformationsprodukte und –dienstleistungen basierend auf Radarsatellitendaten sowie den Aufnahmen anderer Satelliten: Informationen, die in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen weltweit eingesetzt werden.
Infoterra GmbH ist bereits seit einigen Jahren an der Entwicklung und Erprobung europäischer GMES-Dienste beteiligt und hat insbesondere in der Landbeobachtung, in der Wasserqualitätsabschätzung und bei Raumplanungs-anwendungen eine führende Expertise aufgebaut. Innerhalb von GMES koordiniert Infoterra umfangreiche Entwicklungs- und Implementierungsvorhaben.
Am Hauptsitz in Friedrichshafen sowie einem Produktionsstandort in Potsdam beschäftigt das Unternehmen insgesamt mehr als 140 Mitarbeiter.
Die Infoterra GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Astrium, Europas führendem Weltraumunternehmen, und Teil der europäischen Spot Infoterra Gruppe, die den Bereich Erdbeobachtungsdienste innerhalb von Astrium Services bildet.
TerraSAR-X ist der erste deutsche Satellit, der im Rahmen einer so genannten Public Private Partnership (PPP) zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Astrium GmbH (Friedrichshafen) realisiert wurde.
Der Satellit umkreist die Erde auf einem polaren Orbit. Dabei nimmt er mit seiner aktiven Antenne neue und hochwertige X-Band-Radardaten von der gesamten Erde auf. TerraSAR-X arbeitet unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht und ist in der Lage, Radardaten mit einer Auflösung von bis zu einem Meter zu liefern.
Das DLR ist verantwortlich für die wissenschaftliche Nutzung der TerraSAR-X Daten sowie für die Planung und Durchführung der Mission, ebenso wie für die Steuerung des Satelliten. Astrium hat den Satelliten gebaut und ist an den Kosten für die Entwicklung und Nutzung beteiligt. Die Infoterra GmbH, ein eigens zu diesem Zwecke gegründetes Tochterunternehmen von Astrium, ist verantwortlich für die kommerzielle Vermarktung der TerraSAR-X Daten.