Der Navigationssatellit GIOVE-B hat sein erstes Jahr im Orbit erfolgreich absolviert. Der von einem von Astrium geleiteten Produktionsteam im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA hergestellte 500 Kilogramm schwere Satellit ist der zweite einer Reihe von zwei In-Orbit-Demonstrationssatelliten für das europäische Navigationssystem Galileo.
Dr. Reinhold Lutz, Leiter des Geschäftsbereichs Navigation bei Astrium: „Mit dem Erfolg von GIOVE-B demonstriert Astrium seine Entwicklungskompetenz im Bereich komplexer Navigationssatelliten. Im Rahmen dieser Mission konnten Astrium-Ingenieure die für Galileo erforderlichen neuen Technologien im Orbit testen und damit den Weg für ein Navigationssystem ebnen, das für Europas Zukunft sowohl in technischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht von zentraler Bedeutung ist.“
GIOVE-B startete am 27. April 2008 vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur an Bord einer Sojus-Trägerrakete in eine mittlere Erdumlaufbahn (MEO). Nach dem erfolgreichen Abschluss der intensiven In-Orbit-Erprobungskampagne wurde der Satellit im Juli 2008 für vollständig betriebsbereit erklärt.
Seitdem hat GIOVE-B Navigationstestsignale an Bodenstationen auf der ganzen Erde gefunkt, die Ingenieuren und Forschern eine Langzeit-Messung der Signalqualität ermöglichen. GIOVE-B nutzt als erster Satellit im All den Modulationsstandard MBOC (Multiplexed Binary Offset Carrier) zur Signalübertragung und legt damit den Grundstein für den künftigen Einsatz dieser Technologie in Satelliten der Navigationssysteme Galileo.
GIOVE-B verfügt über insgesamt drei hochgenaue Atomuhren – darunter ein passiver Wasserstoff-Maser – und damit über die präziseste je verwendete Weltraumuhr mit einer Tagesgenauigkeit von unter einer Nanosekunde. Das ausgezeichnete In-Orbit-Verhalten des Maser-Instruments stärkt das Vertrauen, dass diese und weitere entscheidende neue Technologien die überlegenen Leistungen sichern werden, die man sich vom Galileo-System verspricht.
Astrium in Deutschland und Großbritannien zeichneten als Hauptauftragnehmer des Satelliten respektive der GIOVE-B-Nutzlast verantwortlich, Thales Alenia Space (Italien) übernahm die Montage, Integration und Erprobung des Satelliten.
Das Satellitennavigationssystem Galileo ist ein Gemeinschaftsprogramm der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und der Europäischen Union. Über einen Verbund von insgesamt 30 Galileo-Satelliten und dazugehörige Bodenstationen bietet das System Navigationsdienste mit einer Genauigkeit im Meterbereich. Galileo soll ab dem Jahr 2013 voll verfügbar sein.
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2008 erreichte Astrium einen Umsatz von 4,3 Milliarden € und beschäftigte mehr als 15.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 118.000.