Stand: 05 Mai 2009 Weiterempfehlen DruckenDrucken

Blériot XI "La Manche" (1910/11)

25. Juli 1909, 4:41 Uhr: Louis Blériot startet in Calais, 36 Minuten später landet er in Dover. Als erste Mensch hat er den Ärmelkanal in einem Flugzeug überquert. Der Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte war teuer erkauft worden.

Als Fabrikant von Lampen für Kraftfahrzeuge hatte Blériot ein Vermögen verdient. Das setzte er seit 1900 für den Flugzeugbau ein. Seine ersten zehn Konstruktionen waren Misserfolge, er stand vor dem Bankrott. Mit seinem letzten Geld konnte er die Blériot XI bauen, die er "La Manche" taufte. Der stoffbespannte Eindecker wurde vollständig in Holzbauweise hergestellt. Die Tragflächen ließen sich für den Transport abnehmen. Die Höhenruder waren als seperate Tragflächen an an Leitwerk angebracht. Die Quersteuerung erfolgte durch Verwinden der Tragflächen.

Die britische Tageszeitung "Daily Mail" setzte im Jahr 1910 einen Preis von 1000 Pfund für die Strecke Calais - Dover aus. Etliche Piloten waren bereits gescheitert. Blériot glückte mit seiner "La Manche" der Flug, bei der Landung in Dover brachen Luftschraube und Fahrwerk. Im Gegensatz zu anderen Pionieren der Luftfahrt war Blériot überzeugt, die Zukunft gehöre Eindeckern und nicht Doppeldeckern. Der Erstflug der "La Manche" fand am 23. Januar statt. Zuerst kam ein R.E.P-Motor mit 28 PS zum Einsatz. An seine Stelle trat aber ein zuverlässigerer Anzani-Motor mit 25 PS. Bereits vor dem Flug über den Ärmelkanal hatte Blériot die Messlatte für einen anderen Rekord angehoben: Er erhöhte am 26. Juni 1909 den Flugdauerrekord auf 36 Minuten und 55 Sekunden.

Aus der Blériot XI entwickelte er mehrere Versionen mit leistungsstärkeren Triebwerken, die in Serie gingen. Während "La Manche" noch mit dem Anzani-Motor auf eine Höchstgeschwindigkeit von 74 Kilometer in der Stunde kam, konnte die weiter entwickelte Version Blériot XI-2 mit einem Gnome-Motor bereits eine Geschwindigkeit von 104 Kilometer in der Stunde erreichen und dreieinhalb Stunden in der Luft bleiben. Es gab in Europa kaum einen Flieger, der nicht eine Blériot XI sein eigen nennen wollte. 1913 fertigte Blériot 800 von 1294 Flugzeuge, die Frankreich hergestellt wurden. Es war das vor 1914 am häufigsten gebaute Flugzeugmuster in Europa.

Die Streitkräfte Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und der Schweiz setzten das als Ein- oder Zweisitzer ausgelegte Flugzeug als unbewaffneten Aufklärungs- und Artilleriebeobachtungsflugzeug ein. Bereits im türkisch-italienischen Krieg von 1911 in Libyen war das Flugzeug zum Fronteinsatz gekommen. Das Muster blieb sogar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg im Einsatz, erst 1915 wurde es abgezogen.

Technische Daten

Blériot XI "La Manche"

Besatzung 1
Länge 7.81 m
Höhe 2.52 m
Spannweite 7.81 m
Maximale Startmasse 320 kg
Triebwerk Anzani
Leistung 23 PS
Höchstgeschwindigkeit 74 km/h

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